Die drei nicht verausgabten Briefmarken (Nennwerte: 15 F., 20 F. und 85 F.). Man kann leicht nachvollziehen, dass Fulbert Youlou vom Ergebnis nicht begeistert war.
Am Tag nach der Unabhängigkeit des Kongo im Jahr 1960 beschloss Abbé Fulbert Youlou, der damalige Präsident der neuen afrikanischen Republik, Briefmarken mit seinem Porträt herauszugeben. Nachdem der Auftrag nach Paris vergeben worden war, machte sich der Graveur Munier anhand fotografischer Vorlagen, die ihm von der französischen Verwaltung überlassen worden waren, an die Arbeit. Er gravierte ein Porträt, das er für ähnlich hielt.
Die in Schwarz und Braun am Boulevard Brune in Paris gedruckten Briefmarken wurden nach Brazzaville an das äquatoriale Post- und Fernmeldeamt geschickt. Von dort entsandte man umgehend einen Beamten zum Präsidentenpalast, um sie dem Abbé vorzulegen. Dieser jedoch empfand die Gravur als Beleidigung seiner Person: Man habe sein Gesicht zu schwarz und zu massig dargestellt, ihn geradezu karikiert. Daraufhin untersagte er unverzüglich den Verkauf der Briefmarken.
Wie die Briefmarken selbst gelangte auch dieser Brief damals nicht in den Verkauf. Da er nicht über die Abonnements der bedeutenden philatelistischen Handelshäuser angeboten wurde, ist er heute sehr gesucht.

Die Briefmarken wurden nach Frankreich zurückgeschickt. In Paris wurden sie ebenso vernichtet wie die für ihre Herstellung verwendeten Druckplatten. Umgehend wurde derselbe Graveur mit der Gestaltung einer neuen Briefmarke beauftragt, auf der das Bildnis von Abbé Youlou zwar weniger ähnlich, dafür aber schmeichelhafter ausfallen sollte. Die Verwaltung handelte mit besonderem Eifer, da sie zu einer Zeit, in der die französisch-kongolesischen Beziehungen ohnehin nicht zum Besten standen, einen diplomatischen Zwischenfall fürchtete.

Die neue Auflage mit denselben Nennwerten von 15 und 85 Francs wurde in Grün und Grau gedruckt, wodurch die dunkle Hautfarbe des Abbé naturgemäss weniger stark hervortrat. Sein Gesicht wirkte weniger aufgedunsen, und die auf dem ersten Porträt deutlich sichtbaren Tränensäcke waren verschwunden. Auch der guillochierte Hintergrund der Briefmarke war feiner ausgeführt und erschien heller. Der Abbé war zufrieden.
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Alle, die Fulbert Youlou während seiner Präsidentschaft persönlich erlebt hatten, erinnerten sich daran, mit welcher Entschlossenheit und Härte dieser Mann, der angeblich gar nicht berechtigt war, die Soutane zu tragen, den Kongo regierte. Seine ausserordentlich rasche Auffassungsgabe und der Einfluss, den er zeitweise im Élysée-Palast besass, verliehen ihm beträchtliche Autorität. Die Mitarbeiter seiner Verwaltung haben ihn nicht vergessen – ebenso wenig wie die heilige Angst, die er ihnen einflösste. Der Kongo dürfte davon zweifellos profitiert haben. Man warf ihm nicht vor, sich mit kompetenten und dynamischen französischen Fachkräften umgeben zu haben, die im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit nach Brazzaville entsandt worden waren. Wohl aber wurde ihm vorgehalten, dass er sich gemeinsam mit ihnen zunehmend von der kongolesischen Bevölkerung entfernt und schliesslich in einer abgeschotteten Welt regiert habe, mit einer Art absoluter Kälte und Distanz, die bei der Bevölkerung keinen Anklang fand.
Fulbert Youlou (1917–1972), katholischer Priester, gilt als einer der wichtigsten Wegbereiter der Unabhängigkeit der Republik Kongo im Jahr 1960. Als erster Präsident des Landes von 1960 bis 1963 verfolgte er eine prowestliche Politik, wurde jedoch während der «Trois Glorieuses» im August 1963 gestürzt. Bis zu seinem Tod im Jahr 1972 lebte er im Exil und blieb eine bedeutende und zugleich umstrittene Persönlichkeit der kongolesischen Politikgeschichte.
Als sein politischer Gegner Massamba-Débat die Macht übernahm, vereinte er die Bevölkerung in ihrer Ablehnung von Abbé Fulbert Youlou. Nach der Revolution, die ihn aus dem Amt vertrieben hatte und deren Ausschreitungen er mit gutem Grund fürchtete, suchte Fulbert Youlou zunächst Zuflucht in einem befreundeten afrikanischen Land, bevor er sich in die Umgebung von Madrid ins Exil begab, wo er bis heute lebt. Stimmt es, wie bisweilen behauptet wird, dass es in Afrika niemals eine Rückkehr gibt?
Bis dahin war es niemandem gelungen, eine der berühmten verbotenen Briefmarken zu beschaffen, die den Zorn des Priesterpräsidenten hervorgerufen hatten. Die kleine Geschichte der Philatelie wäre um dieses wesentliche Kapitel für immer ärmer geblieben, hätte nicht vor Kurzem jemand ausgerechnet im Kongo zu seiner Überraschung in einer Schublade voller alter Papiere eine Mappe entdeckt, die mehrere Bogen der skandalumwitterten Ausgabe enthielt.
Nun lassen sich die beiden Ausführungen miteinander vergleichen. Vieles deutet darauf hin, dass diese Werte künftig zu den ganz grossen philatelistischen Raritäten zählen könnten. Eine unerwartete Folge dessen, was man andernorts wohl als «Personenkult» bezeichnet hätte.
